Hall of Fame - Der LASK in der Halle Geschichte der Hallenfußballturniere 1975 bis 2010

 
Österreichische Bundesliga – Hallenfußballmeisterschaft 1984 und 1985
 
Enttäuschende Premiere

Dass ein „Mehr von Gutem“ auch ein „Zuviel des Guten“ sein kann – diese Erfahrung musste die Österreichische Fußball-Bundesliga in den Jahren 1984 und 1985 machen. Geblendet vom Erfolg der großen Hallenturniere in Wien und Graz entschloss man sich zur Durchführung einer eigenen „Bundesliga-Hallenmeisterschaft“. Mehr Turniere, mehr Spielorte, mehr Preisgeld, ein „echter“ Titel … was wie die logische Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte klang, wurde zu einer Veranstaltung der traurigen Gestalt. Während zu den Traditionsturnieren die Zuschauer – auch in diesen beiden Jahren – in Massen strömten, wurde die Hallenmeisterschaft nicht wirklich angenommen und ein kapitaler finanzieller Bauchfleck.  Spieler und Trainer beklagten die mit vielen Terminen gestörte Winterpause bzw. Frühjahrsvorbereitung, das Publikum interessierte sich wenig für Spiele gegen Gegner in der Halle, die man – ob zur Recht oder zu Unrecht – schon am Rasen als unattraktiv empfand. Das fehlende Lokalkolorit und der Verlust der Einmaligkeit des Ereignisses wurden vom „Kunden“ nicht quittiert - und da der bekanntlich „König“ ist, wurde das ganze nach zwei Versuchen wieder eingestellt.

Der Veranstaltungsort „Linz“ war in beiden Jahren in die Hallenmeisterschaft integriert und so blicken wir hinein in diese Turniere, um zu sehen, wie es unserem geliebten ASK dabei erging.
Die Antwort sei vorweggenommen: Nicht gut.

Obwohl wir uns in diesen Jahren in der Bundesliga als Spitzenteam etablierten (zweimal Dritter, zweimal Vierter), uns damit  laufend für den UEFA-Cup qualifizierten und selbst dort Erfolge feierten (Inter Mailand!), kam unsere Truppe bei den Hallenturnieren nicht in die Gänge – weder in Linz noch an dem jeweiligen zweiten  oder dritten Veranstaltungsort, wohin man zugeteilt wurde.

Bei der Premierenveranstaltung hatte der LASK in der Vorrundengruppe West am 15. und 16. Jänner 1984 sein Heimturnier und gastierte zehn Tage später, am 25. und 26.01., in Innsbruck. Eine gesonderte Turnierwertung ist nicht möglich, da nicht alle Klubs am jeweiligen Veranstaltungsort gleich viele Spiele zu bestreiten hatten. In der Gesamtwertung hatte man dann sieben Spiele, es wurde eine „normale“ Meisterschaftstabelle errechnet und die besten drei von insgesamt acht Teams stiegen ins Finalturnier von Wien auf
Unser LASK startete zunächst erfolgreich und gewann sein erstes Hallenfußball-Meisterschaftsspiel der Geschichte gegen Union Wels – nach 1:2-Pausenrückstand - mit 4:2. Wolfgang Nagl, Grüneis, Piesinger und Meister waren die Premierentorschützen. Das klingt heute nicht gar so beeindruckend, jedoch spielten damals beide Teams in derselben Liga – nämlich in der höchsten Spielklasse des Landes, der Bundesliga. Das waren auch für die Messestadt Wels noch andere, glanzvollere Fußballzeiten – könnte man denken. Doch nur wenige Tage später – noch im Jänner 1984 löste sich Union Wels auf und die Bundesliga wurde mit 15 Mannschaften zu Ende gespielt.

In ihrem zweiten Spiel des Eröffnungsabends trafen die Schwarz-Weißen auf die Violetten aus Salzburg, die als Fünftplatzierter nach der Hinrunde der damaligen Sechzehnerliga gut im Rennen lagen, dennoch aber – bei der damals noch gültigen Zwei-Punkte-Regel - fünf Punkte Rückstand auf den zweitplatzierten LASK aufwiesen. Man weiß natürlich, dass solche Vergleiche für die Halle irrelevant sind und so kümmerten sich die Salzburger auch nicht um diese Hackordnung und besiegten den LASK in einem trefferreichen Spiel mit 8:6.

Davon gut erholt feierten unsere Athletiker am zweiten Turniertag einen Kantersieg gegen den Liga-15. Favoritner AC -  6:1 zur Halbzeit der Begegnung, 9:2 am Ende.  Die Fans hofften, dass sich ihre Jungs damit so richtig für den Höhepunkt des Turniers warm geschossen hätten, für das große Linzer Derby gegen SK VOEST Linz. Bis dahin lagen die beiden Rivalen gleichauf. VOEST hatte zwar am ersten Tag beide Spiele siegreich gestalten können, hatte dafür aber an diesem Abend schon eine schmerzliche 2:8 Niederlage gegen Austria Salzburg einstecken müssen. Doch es kam leider ganz anders. Unsere Burschen erwischten eine ganz schwache erste Hälfte und lagen zur Pause bereits mit 0:3 zurück. Das Aufbäumen und Tore von „Teddy“ Malnowicz und Wolfgang Nagl halfen nichts mehr. Der blauweiße Mitbewerber siegte überraschend 4:2 und ließ für einige Momente vergessen, dass in der echten Tabelle der Bundesliga 10 Plätze und 11 Punkte zwischen dem Klub der Oberösterreicher und dem Werkssportklub lagen.
Vier Runden Hallenmeisterschaft waren also gespielt und der LASK hatte mit zwei Siegen und zwei Niederlagen recht durchschnittlich abgeschnitten. Eine Steigerung gelang auch in der Olympiahalle in Innsbruck nicht. Die letzten Aufstiegshoffnungen schwanden schon mit einer 4:7-Niederlage gegen den Badener SC. Auch das Duell mit dem Veranstalter ging verloren. Wacker Innsbruck behielt mit 4:2 die Oberhand. Gegen den zweiten Tiroler Klub WSG Wattens gelang ein halbwegs versöhnlicher Abschied aus der Meisterschaft. Fünf verschiedene Torschützen – Kurt Nagl, Wolfgang Nagl, Erwin Höld, Rudolf Köstenberger und Michael Toppel - sorgten für den knappen 5:4-Sieg. Unter den acht Teams der Gruppe West belegte der LASK Rang 5. Zum Aufstiegsplatz fehlten vier Punkte.

Nach Wien zum Finalturnier fuhren Wacker Innsbruck, VOEST Linz und Austria Salzburg. In Abwesenheit der absoluten Nummer Eins im Hallenfußball – der Wiener Austria – konnte sich deren „ewiger“ Rivale, Rapid Wien, überraschend den Turniersieg sichern und sich so das Recht erwerben, sich auf dem Briefkopf „Erster Österreichischer Hallenfußballmeister 1984“ nennen zu dürfen.
LASK wie das ganze Turnier: „war wohl nix“
 
Das Ergebnis der Ersten Österreichischen Hallenmeisterschaft mit Rapid an der Spitze gefiel der Wiener Austria wohl gar nicht und so entschloss sie sich zur Freude der Veranstalter im zweiten Anlauf doch zur Teilnahme. Diese Freude teilten auch die Verantwortlichen für das Linzer Hallenturnier, das als dritter Spielort in einem leicht veränderten Veranstaltungsmodus nach Klagenfurt und Graz und vor Innsbruck und Wien fungierte und dabei eben diese Wiener Austria zu Gast hatte. Es gab nun keine Vorrundengruppen mehr, sondern die in Summe neun Spiele bei zehn teilnehmenden Teams insgesamt wurden auf drei verschiedene Turnierorte aufgeteilt, was noch mehr Spiele, Termine und Reisen bedeutete. Schwer überlegte man beim LASK, ob man überhaupt teilnehmen sollte. Doch letztlich waren die von der Bundesliga ausgeschütteten Geldzuckerl doch zu verlockend und man meldete sich startbereit. An den Start gehen durfte der LASK immerhin neben seinem Heimturnier auch in den beiden Hallenfußball-Städten par excellence Graz und Wien. Graz allerdings wartete mit den sehr spieler-, familien- und fanfreundlichen Terminen 22. und 23. Dezember auf, an denen der LASK sinnigerweise genau je ein Spiel zu bestreiten hatte.  Am 22. Dezember sorgten zwei Hagmayr-Tore und ein Treffer von Meister für ein – letztlich aber enttäuschendes – 3:3-Remis gegen den Favoritner AC. Am 23. Dezember erwiesen sich die Kicker von LASK und Austria Klagenfurt als brave Weihnachtsmänner und bescherten den Zuschauern gleich 15 Tore, jene in schwarz-weißer Gewandung allerdings hatten beim Mitzählen etwas Schwierigkeiten und vergaßen, am Ende noch einmal zu treffen, was zur Folge hatte, dass die violetten Weihnachtsmänner vom Wörthersee mit 8:7 siegreich blieben.

Nach den Weihnachtsfeiertagen traf man sich dann in der Linzer Stadt- und Sporthalle auf der Gugl im neuen Jahr (12. / 13.01.1985) mit neuen Gegnern, jedoch leider alten Resultaten. Am ersten Spieltag reichte es erneut nur zu einem Punkt, diesmal gegen Wacker Innsbruck (4:4), gegen die in der Halle wirklich große Wiener Austria hielt man bis zur Pause sehr gut mit (2:2), am Ende stand aber doch eine deutliche 4:8 – Niederlage. Gegen den zweiten Wiener Großklub Rapid gab es am nächsten Tag ebenfalls nichts zu holen, 5:9 hieß hier das ganz ähnliche Ergebnis. Leider gelang es auch in diesem Jahr nicht, den emotionalen Höhepunkt für die Fans positiv zu gestalten. Das Linzer Stadtderby gegen VOEST ging auch diesmal verloren – 3:5. So war man mit Ausnahme von Sturm Graz, das in Linz allerdings nur ein einziges Spiel bestritt, gerade beim Heimturnier die punktschlechteste Mannschaft von allen. 

Diesen insgesamt sehr mäßigen Eindruck konnte man in Wien mit zwei schönen Siegen gegen die bis dahin ungeschlagene Vienna (5:1) und gegen Sturm Graz (5:2) zwar ein wenig korrigieren, für eine bessere Platzierung – etwa unter den Top 5 oder 6 - hätte man beim Abschlussturnier aber auch noch den GAK besiegen müssen. Dieses Unterfangen blieb aber mit 5:8 deutlich unerreicht. So endete für den aktuellen Bundesliga-Dritten die Meisterschaft am Parkett mit einem 7. Platz unter 10 Teams. Typisch LASK: Bei Rang 6 endeten die Preisgeld-Zuwendungen. Die Frage, ob man im folgenden Jahr antreten sollte oder nicht, blieb den LASK-Verantwortlichen – wie allen anderen auch – erspart. Obwohl - durch die Teilnahme und den Turniersieg (!) – der Wiener Austria aufgewertet, blieb die Meisterschaft auch 1985 ein finanzieller Misserfolg und der Bewerb wurde nach nur zwei Auflagen wieder eingestellt.
 
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Statistik
 
Österreichische Bundesliga-Hallenmeisterschaft – Vorrunde Gruppe West
 
Spielort Linz
15.01. – 16.01.1984
 
LASK gegen: 
FC Union Wels 4:2 K. Nagl, Gröss, Piesinger, Meister
Austria Salzburg 6:8 W. Nagl (2), Meister (2), Gröss, Trafella
Favoritner AC 9:2 W. Nagl (3), Gröss (3), Meister, Dantlinger, Toppel
VOEST Linz 2:4 Malnowicz, W. Nagl
 
4 Spiele – 2 Siege – 0 Remis – 2 Niederlagen – 21:16 Tore
Spielort Innsbruck
25.01. – 26.01.1984
LASK gegen:
Badener AC 4:7 W. Nagl, Gröss, K. Nagl
SSW Innsbruck 2:4 W. Nagl, Malnowicz
WSG Wattens 5:4 K. Nagl, W. Nagl, Hödl, Köstenberger, Toppel
 
3 Spiele – 1 Sieg – 0 Remis – 2 Niederlagen – 11:15 Tor
 
Gesamt:     

7 Spiele – 3 Siege – 0 Remis – 4 Niederlagen – 32:31 Tore – Platz 5 (von 8, Vorrunde)
 
Österreichischer Hallenfußballmeister: Rapid Wien
 
Endstand Hallenfußball Bundesliga 1984
 
1. Rapid Wien
2.  GAK
3. SSW Innsbruck
4. Austria Klagenfurt
5. VOEST Linz
6. Austiria Salzburg

Österreichische Bundesliga-Hallenmeisterschaft 1984 / 85

Spielort Linz
12.01. – 13.01.1985
LASK gegen:
SSW Innsbruck 4:4 K. Nagl, Meister, Malnowicz, Hagmayr
Austria Wien 4:8 Malnowicz, K. Nagl, Höld, Meister
Rapid Wien 5:9 Trafella (2), Mallnowicz (2), Meister
VOEST Linz 3:5 Malnowicz, Roth, Chr. Lehermayr
4 Spiele – 0 Siege – 1 Remis – 3 Niederlagen – 16:26 Tore
 
Spielort Graz
22.12. – 23.12.1994
LASK gegen:
Favoritner AC 3:3 Hagmayr (2), Meister
Austria Klagenfurt 7:8 Hödl (2), W. Nagl (2), Hagmayr (2), Koch
2 Spiele – 0 Siege – 1 Remis – 1 Niederlage – 10:11 Tore
Spielort Wien
25.01. – 27.01.1985
LASK gegen:
First Vienna FC 5:1 Roth, Meister, Toppel, Hagmayr, Eigentor
Sturm Graz 5:2 Hagmayr (2), Toppel (2), Höld
Grazer AK 5:8 Hagmayr (2), Höld, Roth, Kirche
3 Spiele – 1 Siege – kein Remis - 1 Niederlage, 15:11 Tore
9 Spiele – 2 Siege – 2 Remis - 5 Niederlagen – 41:64 Tore – Platz 7 (von 10)
Österreichischer Hallenfußballmeister: Austria Wien
Österreichische Hallenfußball-Bundesliga 1984/85
 
1. Austria Wien
2. Rapid Wien
3. First Vienna FC
4. GAK
5. VOEST Linz
6. Favoritner AC
7. LASK
8. SSW Innsbruck
9. Sturm Graz
10. Austria Klagenfurt
Quellen:
  • Eigene Aufzeichnungen
  • www.austriasoccer.at
 Günther Waldhör

               

 

 

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