Martina Blutsch:"Markus ist ein starker Mensch und wird sich wieder ins Team kämpfen"

Sie ist die Tochter einer schwarz-weißen Legende und die Mutter eines der Hoffnungsträger im Team des LASK. Martina Blutsch kann man durchaus als Mitglied einer "schwarz-weißen Aristokratenfamilie" bezeichnen. Sie hat sich für uns die Zeit genommen und hat aus ihrem Leben und natürlich über die Entwicklung von Markus zum Profi gesprochen. Sie erzählt uns über die Anfänge von Markus, seine Karriere im Nationalteam und natürlich wie es ist, die Tochter von Dolfi Blutsch zu sein.
 
 
Du hast bereits bei unserer Terminvereinbarung anklingen lassen, dass du einige interessante Geschichten zu erzählen hast. Bevor wir jedoch auf diese näher eingehen, würden wir gerne einmal wissen, ob du -dank väterlicher Vorbelastung- schon als Kind LASK-Fan warst oder war das für dich als Mädchen kein Thema?
Doch, doch, bei uns im Haus gab es kaum ein anderes Thema als Fußball. Es war die Saison 1978, als mich mein Vater das erste Mal ins Stadion mitnahm. Er war damals Trainer des LASK. Und von da an wurde ich halt immer zu den Spielen mitgenommen.
 
Man kann also davon ausgehen, dass du dich selbst als LASK-Fan bezeichnen würdest?
Das auf jeden Fall. Wobei da zwei Herzen in mir schlagen. Da gibt es das eine Herz das für den Verein schlägt und dann gibt es halt das andere Herz, das für den Sohn schlägt. Da ist es logisch, dass man auch den Verein unterstützt, bei dem der eigene Sohn kickt. Aber in der derzeitigen Situation ist das ja leicht, da ja der Sohn beim Herzensverein spielt.
Aber in unserer Familie ist der LASK einfach auch tief verwurzelt, für meinen Vater gibt es nur die Austria, wo er ja her kommt und den LASK.
 
Wie ist es als Mädchen in einer fußballbegeisterten Familie aufzuwachsen?
Ich kenne das nicht anders. Für mich war das ganz normal. Da wurde halt beim Abendessen über Fußball gesprochen und nicht über irgendwelche anderen Sachen. Für mich ist es auch nach wie vor selbstverständlich, dass zum Beispiel Champions League geschaut wird. Das war immer so und wird auch immer so bleiben. Deswegen versteh ich das nicht, wenn sich dann irgendwo Pärchen um den Fernseher streiten, weil gerade Fußball läuft. Für mich ist das eine klare Entscheidung, dass Fußball geschaut wird.
 
Kommen wir auf Markus zu sprechen: Wie hast du Markus erste fußballerische Schritte miterlebt? Bzw. wann fiel die Entscheidung auf den Fußballsport?
Es klingt jetzt blöd, aber das war eigentlich schon bei der Geburt klar. Man sagt ja auch immer, dass jemand „Fußballer-Gene“ hat: bei Markus ist das, glaub ich, der Fall.
Die ersten Erfahrungen mit dem Fußball als Sportgerät machte Markus eigentlich als er laufen konnte. Der Ball war einfach sein ständiger Wegbegleiter.
 
Und wann verschlug es Markus dann zum Vereinsfußball?
Da war er wirklich noch ein „Knirps“. Mit 5-6 Jahren fing er bei St. Magdalena an, meine Mutter hatte zum damaligen Zeitpunkt das Sportplatzbuffet am Magdalena-Platz. Das war also naheliegend, dass er dort seine ersten Schritte als Fußballer machen würde.

Ein Ereignis blieb da wirklich hängen: Als Markus eines seiner ersten Spiele hatte, entdeckte er am Spielfeld ein Gänseblümchen. Wie das halt bei Kindern so ist, war dann plötzlich das Gänseblümchen interessanter als der Fußball. Also pflückte er es ab, brachte es mir zu Bande und ich musste ihm dann erklären, dass er eigentlich ja zum Fußballspielen da ist. Flott rannte er dann wieder dem Ball hinterher.
 
Irgendwann kam dann „Schnauz“ auf uns zu und sagte so auf die Art „das geht einfach nicht, dass ein Blutsch nicht beim LASK kickt.“ Er hatte dann ein Probetraining beim LASK. Auch hierzu fällt mir eine nette Geschichte ein: Markus spielte das erste Mal mit richtigen Fußballschuhen. Natürlich war er völlig hin und weg von seinem neuen Schuhwerk. Das ging sogar so weit, dass er sich mitten unter dem Training am Strafraum auf den Rücken legte, seine Füße in die Höhe streckte und auf die Schuhe starrte. Dem Trainer schmeckte das natürlich nicht so, dennoch verschlug es Markus dann zum LASK. Sein weiterer Werdegang ist euch, denke ich, bekannt.
 
Ich kann mir vorstellen, dass ein Leben als Fußballer-Mutter nicht immer einfach ist. Erzähl mal wie sich der Alltag als Mama eines fußballspielenden Kindes meistern lässt. Mehrmals die Woche Training, Turniere, Spiele usw. Da steckt auch ein logistischer Aufwand dahinter, richtet man da auch den Job usw. danach?
Klar, das ganze Leben ist darauf ausgerichtet. Man möchte seinem Kind ja etwas Gutes tun. Und Markus liebte den Fußballsport schon immer. Das ist es, was ihm Spaß macht und das unterstützt man als Mutter so gut es geht. Ich möchte gar nicht wissen wie viel Kilometer ich zu Trainings, Turnieren oder Spielen gefahren bin. Vom Zeitaufwand mal ganz zu schweigen. Aber jede einzelne Sekunde hat sich ausgezahlt.
 
Wobei es natürlich Momente gab, wo das rundherum weniger schön war. Früher herrschte ja in Turnsälen noch kein generelles Rauchverbot. Da ist es dann schon des Öfteren passiert, dass man einen ganzen Tag in einer stickigen Turnhalle gesessen ist und am Abend dann wirklich völlig erledigt war.
 
Wann wurde letztendlich die Entscheidung getroffen, dass Markus wirklich den Weg eines Fußballprofis wählen wird? Hattest du da Mitspracherecht oder wurde das unter den Männern im Haus entschieden?
 
Das war eigentlich wirklich sehr bald klar. Mitreden musste ich da nicht, wie gesagt, ich bin selbst fußballbegeistert, ohne je selbst gespielt zu haben. Aber es war ein logischer Schritt, dass Markus diesen Weg gehen würde. Wann genau dieser Entschluss gefasst wurde, weiß ich nicht mehr.
 
War für dich die Matura Grundvoraussetzung dafür, dass Markus überhaupt diesen Wegen gehen „darf“?
Ja auf jeden Fall. Wobei ich auch sagen muss, dass ich stolz darauf bin, dass Markus die Matura heuer wirklich ohne Probleme gemacht hat. In der Schule tat er sich eigentlich immer leicht und das wussten auch die Lehrer, welche ihm wirklich viel Freiraum zum Trainieren gaben. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die Noten stimmen. Und das haben sie zum Glück immer getan.
 
Auf jeden Fall denke ich, dass sich der Fußballsport gewandelt hat. Heutzutage musst du als Fußballer was im Kopf haben, die Matura oder zumindest eine andere Ausbildung nebenbei ist eigentlich ganz normal. Eine Absicherung neben dem Profisport schadet nie. Und ohne Matura oder fertiger Lehre hast du in der Gesellschaft keine Chance.
Da ich wusste, dass es Markus mit den technischen Berufen sowieso nicht so hat und er sich eben in der Schule leicht tut, wählte er diesen Weg.
 
Fußball galt und gilt ja oftmals noch als „Proletensport“. Bestanden da jemals Zweifel ob da der eigene Bub nicht vielleicht die falschen Leute kennen lernen könnte?
Nein, zu keinem Zeitpunkt. Wie gesagt, ich sehe den Fußballsport mittlerweile anders als noch vor ein paar Jahren. Hier passiert einfach ein Wandel, auch abseits des Platzes. Spieler werden geschult wie sie sich zu verhalten haben, viele verfügen eben über schulische Ausbildungen und Fußball ist einfach der Sport, den wir lieben.
 
Es gibt Phasen im Leben, die eine Karriere als Profisportler gefährden können. Gerade bei Männern wird es da mit 14/15 Jahren wirklich spannend. Frauen werden interessant, das Nachtleben ruft. Wie habt ihr diese Zeit überstanden?
Hier machte es Markus einem sehr leicht. Markus ist keiner der sich da viel ablenken lässt. Er ist total fokussiert. Oftmals musste ich ihn fast dazu zwingen, dass er doch auch mal fortgeht und feiert. Das gehört ja dazu.
Als das Fortgehen begonnen hat und ich meinte habe: „Markus um 12 hole ich dich ab“ war es oft so, dass schon um halb 12 das Telefon läutete und Markus meinte er stünde jetzt dann bereit um abgeholt zu werden.
 
Gab es da Momente an denen du Zweifel hattest, ob der Weg des Fußballprofis der richtige war und ob Markus den Weg zu Ende gehen wird?
Nein, eigentlich nicht. Man muss schon sagen, dass es Markus eigentlich von Anfang an nicht leicht hatte. Ich sehe den Namen „Blutsch“ schon eher als Nachteil. Da wird viel geredet und vor allem viel erwartet.
Schon als Markus noch ein Kind war hieß es oft: „Schauen wir mal was aus dem Blutsch wird“. Also war von Anbeginn an eine gewisse Erwartungshaltung vorhanden.
Aber das ist sicher eine der Stärken von Markus, dass er mental extrem stark ist. Ihn bringt so leicht nichts aus der Fassung und er steckt Sachen gut weg.
 
Auch derzeit hat es Markus ja nicht leicht. Seit den Verpflichtungen von Christopher Drazan, Peter Michorl und Nikola Dovedan bekommt er kaum Einsatzzeit und sitzt meist nur auf der Bank. Wird über solche Situationen zu Hause gesprochen?
Na klar. Es ist ja logisch, dass einen eine solche Situation nicht zufrieden stellen kann. Markus ist jung, möchte spielen und trainiert auch wirklich sehr ehrgeizig.
 
Gerade als Mutter ist man da natürlich auch voreingenommen und wünscht sich, dass der eigene Sohn spielt. Noch dazu wo die Leistungen zu Saisonbeginn auch gepasst haben und er sich im Training wirklich voll reingehängt hat. Und Markus ist wirklich ein Ehrgeiziger im Training, das war er schon immer. Für ihn war es immer schon am Schlimmsten, wenn er krank war und er durfte nicht zum Training gehen. Auch ein Grund dafür, dass er kaum in der Schule gefehlt hat, weil er wusste, dass er dann nicht ins Training gehen darf. Aber die Gesundheit geht vor und da gilt es einfach vernünftig zu sein.
 
Aber noch einmal zurück zur Frage: das ist derzeit sicher eine schwierige Zeit in seiner Karriere, aber wie schon vorher gesagt. Markus ist ein starker Mensch und er wird sich da schon wieder reinkämpfen. Ihm ist noch nie etwas so einfach in den Schoss gefallen, er hat sich bis jetzt alles hart erarbeiten müssen und genau das macht ihn noch stärker..
 
Für mich persönlich ist manches schwer zu verstehen, aber der Trainer macht die Aufstellung und das hat man zu akzeptieren.
 
Im Leben einer Mutter gibt es viele schöne Momente. Gibt es einen sportlichen Moment in Markus‘ Karriere an dem du besonders stolz warst?
Da gibt es viele Momente, aber so wirklich in Erinnerung blieb mir vor allem die letzte EM-Qualifikation mit dem Nachwuchs des Nationalteams. Das war wirklich schön zu sehen, wie die Truppe zusammengewachsen ist und Markus sich im Laufe der Jahre als Stammspieler etabliert hat.
Die Endrunde war dann wirklich ein toller Erfolg, in Ungarn. Dort haben sie sich ja auch für die Weltmeisterschaft in Neuseeland 2015 qualifiziert Ich war sowohl bei Qualifikation, als auch Endrunde live vor Ort und es war schon schön mitanzusehen wie da wirklich tolle Leistungen abgeliefert wurden.
Und weil ich es vorher schon angesprochen habe: Markus war kaum verletzt oder krank, weil er eben immer den Willen hat zu spielen. Hier gab es mit dem Team ein Schlüsselerlebnis.

Es war Markus erste Einberufung ins Team, er durchlief alle Lehrgänge und war dann quasi offiziell mit dabei. Das erste Testspiel stand an und Markus sollte seine erste Partie für Österreich bestreiten. Doch beim Meisterschaftsspiel bei der Linzer Akademie rutschte ihm jemand in den Schuss, den Knöchel hat es voll erwischt. Natürlich hat Markus dem Trainer (Anm.: Andi Heraf) nichts gesagt, sonst hätte er nicht mitfahren können.

Am nächsten Tag stand dann das Spiel auf dem Programm und Markus saß nur auf der Bank, mit Tränen der Enttäuschung in den Augen. Er wurde dann eingewechselt und spielte wirklich keine gute Partie, logisch mit einem angeschlagenen Fuß. Nur der Trainer wusste halt nichts davon. Das war halt die Strafe, dass er vor lauter Ehrgeiz nicht mit dem Trainer gesprochen hat.
Aber ich denke das sind die natürlichen Lernprozesse, aus denen ein junger Spieler lernt.
 
Du bist bei so gut wie jedem Spiel des LASK mit dabei.  Bei Heimspielen braucht man, auf Grund der großen Distanz zum Spielfeld, oftmals einen Gucker um Situationen richtig zu deuten. Du hast schon viele Fußballstadion gesehen, zuletzt auch in Ungarn bei der U19 EM. Wie beurteilst du die Stadionthematik, die ja derzeit in aller Munde ist?
 
Das hab ich schon immer gesagt, das Stadion in Linz hat nichts, aber rein gar nichts mit einem Fußballstadion zu tun. Erstens hat das Stadion da oben (Anm.: auf der Gugl) meiner Meinung nach nichts zu suchen und zweitens ist ein Stadion mit Laufbahn kein Fußballstadion.
Also auf Dauer ist ein reines Fußballstadion sicher von Nöten. Das Gefühl für die Zuschauer, aber auch für die Spieler auf dem Feld ist ein ganz anderes. Das hat man ja zuletzt auch in Pasching gesehen, da war ja wirklich viel los, da ist man hautnah dabei und die Mannschaft nimmt dieses Gefühl voll auf.
 
Zum Thema viele Stadien gesehen: Also was uns da teilweise unter die Augen kam wie in Serbien, Rumänien oder Ungarn war unglaublich. Stadien, welche teilweise nicht mal sanitäre Einrichtungen für die Besucher hatten. Gelegen, irgendwo im Nirgendwo. Im Gegensatz dazu ist die Gugl wirklich ein Schmuckkästchen. Aber ganz versteh ich es eh nicht, weshalb man die Nachwuchswettkämpfe oftmals in solche Länder gibt, welche kaum Infrastruktur haben. Da hätten sich die Jungs schon andere Bedingungen verdient.

Klar, in Ungarn gab es dann schon ein nettes Stadion, aber keines so, dass ich mir dachte man müsste das mit nach Linz nehmen.
 
Widmen wir uns wieder dem LASK. Es gab im vergangenen Jahr einen gewaltigen Aufschwung, überrascht dich der derzeitige Höhenflug der Athletiker?
Überrascht? Nicht wirklich. Planbar ist sowas nie. Aber die Mannschaft hat Klasse.
Aber das ist auch für mich persönlich derzeit eine ganz eigene Situation. Auch hier hab ich wieder zwei Herzen in mir. Einerseits das LASK Herz, welches einfach hofft, dass der Verein gewinnt. Andererseits das Herz, welches für Markus schlägt und hofft, dass er spielt.
Aber natürlich freut man sich wenn der LASK gewinnt.
 
Und was sagst du zum neuen Umfeld beim LASK?
Hier wird wirklich gut gearbeitet. Die neue Führung ist nahe an der Mannschaft dran, vor allem in Form von Jürgen Werner und Manfred Schill.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist es auch leicht wirklich gut zu arbeiten. Es werden sicher wieder schwerere Zeiten auf den LASK zukommen, da gilt es dann wirklich Stärke zu zeigen. Aber was zurzeit geleistet wird, ist absolut top.
 
Liebe Martina, das war es von unserer Seite. Wir danken dir recht herzlich, dass du dir Zeit für uns genommen hast und wünschen dir alles Gute auf deinem weiteren Lebensweg. Wir unterhalten uns wieder wenn Markus den LASK in der Bundesliga zum Meistertitel geschossen hat. 
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