Gestern Hütteldorf. Morgen Linz. Übermorgen die restliche Zivilgesellschaft

Eine Woche ist es nun her, dass 1300 Rapidlern unrecht getan wurde. Von Einsicht bei der Exekutive und beim BMI keine Spur. Fanszenen aus ganz Österreich sind empört - natürlich auch die aktive Linzer Szene. Wir wurden gebeten die offizielle Stellungnahme der "Aktiven" zu veröffentlichen. Dieser Bitte kommen wir natürlich gerne nach. Auch wir haben diese Stellungnahme unterschrieben.

 
Viel wurde in den letzten Tagen über die Geschehnisse rund um das vergangene Wiener Derby berichtet. In den Augen einer breiten Öffentlichkeit wird regelmäßig das allzeit parat stehende Bild des Unruhestifters Fußballfan bemüht. Umso vielsagender, dass selbst in der - nicht gerade für ihre differenzierte Berichterstattung bekannten - hiesigen Medienlandschaft neben der üblichen Rollenzuweisung auch kritische Stimmen zum Vorgehen der Exekutive zu Wort kamen. Die Rechtshilfe Rapid hat ihrerseits die Ereignisse aufgearbeitet. Unten stehenden Link dazu kann man nur jedem wärmstens ans Herz legen.
 
 
Aber was geht uns das an? Zum einen sollte es Moralempfinden und Bürgerbewusstsein jeder mündigen und kritischen Person widersprechen, dass über 1300 Menschen wegen des Verhaltens Weniger über Stunden unter widrigsten Bedingungen ihrer Freiheit beraubt werden können. Von etwaigen Fragen der Rechtsstaatlichkeit nicht zu sprechen. Zum anderen betrifft es uns als Fußballfans im Speziellen. Wenn man an die vergangenen Auswärtspartien in Wien denkt, scheint das Vorgehen der Wiener Polizei an diesem Tag wenig überraschend und lange angekündigt. Dass es mit Rapid jene Szene getroffen hat, die sich in jüngerer Vergangenheit am offensivsten gegen das zunehmend repressive Vorgehen gegen Fußballfans positioniert hatte, mag man für Zufall halten können. In jedem Fall bestätigt das Geschilderte die eigenen Erfahrungswerte.
 
Auch wir haben die kreative Auslegung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit von Seiten der Wiener Exekutive bereits erleben dürfen. So kam es bei den dortigen Auswärtspartien regelmäßig zu fragwürdigen Aktionen und unmotivierten Schikanen seitens der eingesetzten Beamten. Das gipfelte beim letzten Spiel in Hütteldorf in unbegründeter Gewaltanwendung gegen Marschteilnehmer und sinnbefreiten Verbotsversuchen von Fanutensilien. Was dort also langsam Usus wird, droht einem früher oder später an sämtlichen Spielorten des Landes zu blühen. Es muss einem bewusst sein, dass ein derartiges Vorgehen auch gegen unsere Fanszene möglich ist und eine stillschweigende Akzeptanz weiteren Entwicklungen in diese Richtung Tür und Tor öffnet. Nicht nur das. Organisierte Fußballfans erscheinen auf Grund ihres hohen Grades an Selbstorganisation und Emanzipation ein willkommenes Testobjekt zu sein. Derartiges Vorgehen gegen eine weitestgehend lobbylose Gruppe kann Indikator für einen zunehmend autoritär agierenden Staatsapparat sein, der sich zukünftig auch gegen andere vermeintlich unliebsame Teile der Zivilgesellschaft richten könnte. Eine im eigenen Sinne selektierte Informationspolitik - wie man sie auch in besagtem Fall vermuten darf - ist dabei hilfreich, die öffentliche Kritik zu minimieren.
 
Sicher sind wir nicht so vermessen, die organisierten Fanszenen zu den Schutzherren der pluralistischen Gesellschaft zu erheben. Es ist uns aber sehr wohl ein Anliegen zumindest in unserem beschränkten Wirkungskreis auf gefährliche Prozesse hinzuweisen. Dass einem in unserem Universum der LASK-Anhängerschaft zukünftig eine bisher für undenkbar gehaltene Behandlung widerfahren kann, muss uns in jedem Fall bewusst sein. Kommentarlos wird man dabei aber weiter nicht bleiben. Auch von offizieller Vereinsseite würde man sich hier eine differenzierte, verantwortungsbewusste und faktenbasierte Sichtweise und Positionierung wünschen.
 
Commando Urfahr - Landstrassler - Linzer Supporters - seit1908.at - Viking Linz
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