Die Legende vom schlafenden Riesen

Eine gern erzählte Legende besagt, dass der LASK jener Klub in Österreich ist, der nach Rapid Wien die meisten Menschen bewegt, also das zweitgrößte Potential am Markt hat. Daher wurde im letzten Jahrzehnt auch oft vom schlafenden Riesen gesprochen, den man wieder wecken muss.

Eine Geschichte, die man als LASK-Fan natürlich gerne hört, stellt man doch selbst den Anspruch ein oberösterreichisches Kulturgut, ja vielleicht auch bald wieder der Stolz von Oberösterreich zu sein. Das Problem liegt aber darin, dass sich die Liebe und die Zuneigung zu einem Verein wie dem LASK nicht messen lässt und es daher schwierig ist den Echtheitsbeweis der Legende zu erbringen. Messbar ist lediglich die Anzahl jener Personen, die ihre Leidenschaft bei (Heim-)Spielen des LASK zur Schau tragen und ins Stadion pilgern. Daher wird der Zuschauerzahl des LASK meist auch mehr Bedeutung beigemessen, als sie wirtschaftlich hat. Der allgemeine Tenor der derzeit vorherrscht ist jener, dass der LASK auf diesem Gebiet seinen Ansprüchen nicht genüge wird. Während der schlafende Riese nach seiner Wiederbelebung im Dezember des letzten Jahres sich im sportlichen und wirtschaftlichen Aufwind befindet, bleiben die Stadionränge leer. Eine leidenschaftliche Diskussion über das Ausbleiben der Zuschauer ist die Folge. Emotional bin ich einer, der in diesem Chor mitsingt und auch mir blutet das Herz, wenn ich im Fernsehen* (J) die leeren Tribünen auf der Gugl sehe. Da ich aber jemand bin, der gerne auf Fakten basierend argumentiert, hab ich mir die Zahlen einmal genauer vorgenommen.

Zuschauerstatistik Saison 2014/15

In den bisherigen 9 Heimspielen hat der LASK 27.808 Zuseher im Stadion begrüßen dürfen, was einem Schnitt von 3.090 Zuschauern entspricht. Damit liegt der LASK im Zwischenranking der Ersten Liga auf dem 3. Platz. Der SV Mattersburg (3.742) und der FC Wacker Innsbruck (3.482) liegen dabei vor dem LASK Austria Lustenau liegt mit einem Schnitt von 3.040 Zuschauern knapp hinter dem LASK. Der Rest der Liga weist einen Respektabstand auf. Der SKN St. Pölten ist dabei mit 2.153 Zusehern/Spiel der einzige der verbliebenen  Vereine, der einen Schnitt mit mehr als 1.500 Zusehern aufweist. Damit erfüllt der LASK zwar nicht den Anspruch, dass man an erster Stelle der Zuschauerstatistik liegt, auch das Ziel von 3.300 Zuschauern ist knapp verfehlt. Allerdings muss man in dieser Zwischenanalyse auch feststellen, dass beide Ziele durchaus noch zu erreichen sind.

LASK das Zugpferd der Liga

Dennoch kann man getrost festhalten, dass sich die Bundesliga über den Wiederaufstieg des LASK freuen darf, stellt dieser doch das Zugpferd der Liga dar. Betrachtet man nämlich nicht nur die Heimspiele, sondern bindet auch die Auswärtsspiele mit ein, dann steht der LASK auch in Sachen Zuschauer unangefochten an der Spitze. Nicht weniger als 50.325 Menschen haben die 17 Spiele des LASK gesehen. Anders gesagt: Knapp 15% aller Besucher eines Spiels der Sky-Go-Liga gehen wegen dem LASK ins Stadion.

Wahrnehmung hält statistischem Vergleich nicht stand

Dies ändert natürlich nichts daran, dass nach unserem Empfinden, sich zu wenig Leute auf der Gugl einfinden. Doch macht auch hier nur der Vergleich sicher. Dieser zeigt auf, dass unser subjektives Empfinden nicht den Tatsachen entspricht. In der Saison 2011/12, also jener Saison in der wir bis kurz vor Schluss um den Titel gespielt haben, fanden im Schnitt 3.376 Besucher pro Spiel den Weg auf die Gugl. Nimmt man die beiden Derbies gegen BW Linz aus der Statistik heraus, so senkt sich der Schnitt auf 2.745 Menschen/Spiel. Selbst den Vergleich mit der Aufstiegssaison 2006/07 braucht der LASK derzeit nicht scheuen. Im Herbst 2006 kamen laut offiziellen Zahlen durchschnittlich 3.862 Zuseher ins Linzer Stadion. Also um 770 pro Spiel mehr, als in diesem Herbst. Betrachtet man das Faktum, dass man damals mit Ivica Vastic ein nationales Idol in den eigenen Reihen hatte und der Aufstieg vor der Saison als Pflicht ausgegeben wurde, ist der Unterschied nachvollziehbar. Von dem Umstand, dass in der Reichel-Zeit die Zahlen ungeniert geschönt wurden, will ich gar nicht erst anfangen zu reden.

Am ehesten vergleichbar mit 05/06

Natürlich kann man hier anmerken, dass die beiden herangezogenen Vergleichsjahre Ausnahmejahre waren. Einmal frisch aus der Bundesliga abgestiegen und einmal als klarer Favorit in die Saison gestartet und dieser Rolle auch gerecht geworden. In der Saison 2005/06 hingegen ist nach tristen und trostlosen Jahren mit der Verpflichtung von Ivica Vastic wieder Hoffnung auf eine sportlich rosige Zukunft eingekehrt und auch wirtschaftlich ging es dank des Sponsoren-Konsortiums mit dem LASK aufwärts. Es war der Auftakt in eine vermeintlich großartige Ära der Vereinsgeschichte (wie das ganze endete, ist eine andere Geschichte). Die Situation ist also durchaus vergleichbar mit jener die wir heute vorfinden. Nehmen wir die Zuschauerzahlen aus dem Herbst 2005 her, so kommt man auf einen Schnitt von 3.224 Personen pro Heimspiel. Ausreißer nach oben sind dabei die ersten beiden Heimspiele mit über 4.000 Zuschauern – also jene Spiele in denen Ivica Vastic erstmals das schwarz-weiße Trikot überstreifte. Ohne diese beiden Spiele kommt man im Herbst 2005 auf einen Schnitt von 2.969 Zuschauern (2014: 3090). Von den restlichen Zweitligajahren dieses Jahrhunderts brauchen wir erst gar nicht zu sprechen, denn in diesen Jahren lag der Schnitt deutlich unter den hier präsentierten Zahlen.

Zuschauerzahlen im Schnitt, Boykottierer sind zurück

Damit kann man also festhalten, dass die Zuschauerzahlen des LASK in dieser Saison in etwa den Werten der erfolgreicheren Zweitliga-Jahre der Ära Reichel entsprechen. Die Hoffnung einiger, dass mit einem Abgang von Reichel auch das Stadion wieder prall gefüllt ist, hat sich jedoch nicht erfüllt. Doch die Annahme, dass der LASK unabhängig vom Gegner in der Post-Reichel-Ära automatisch die Stadien füllen würde, war immer nur ein Wunschgedanke. Unbestritten ist, dass es am Ende der Ära Reichel eine große Anzahl an Boykottierern gab. Deren Wiederkehr ist auch messbar. Hatte der LASK in der letzten Saison noch einen Schnitt von 2.070 Besuchern aufzuweisen, so sind es in dieser Saison um 1.000 Menschen mehr. Der Faktor höhere Liga zählt in diesem Fall nicht, denn man muss dabei auch in Betracht ziehen, dass Spiele gegen Blau-Weiss Linz und Vorwärts Steyr um einiges attraktiver sind, als Spiele gegen Horn und Hartberg.

Wie aus einem Verein eine Legende wird

Daher gibt es meiner Meinung nach keinen Grund Trübsal zu blasen. Die Zuschauerzahlen dieser Saison brauchen keinen Vergleich scheuen und werden bei beibehaltenem sportlichem Höhenflug auch im Frühjahr einen Aufschwung erleben. Der gemeine LASK -Fan (da spreche ich nicht vom harten Kern) ist eine launische Diva, der gerne Stammtisch-Hoheit hat, wenn es gut läuft, sich aber versteckt, wenn es schlecht läuft. Das braucht man nicht gutheißen, muss man aber zur Kenntnis nehmen. Man kann diese Fans bezeichnen wie man will (Schönwetterfans, Gloryhunters, Konsumenten), letztendlich sind es aber jene Menschen, die aus einem normalen Verein eine Legende, ein Kulturgut machen. Sie erzählen ihre Geschichten über den LASK und hüllen damit das ganze Land in unsere Farben. Dass bei solchen Geschichten nicht immer die ganze Wahrheit erzählt wird, versteht sich von selbst. Genauso wie Tausende Menschen davon überzeugt sind, dass sie am 18.10.2002 zu den 581 Besuchern beim Heimspiel gegen den SV Wörgl zählten, werden in wenigen Jahren 10mal mehr Menschen behaupten in der Regionalligazeit dabei gewesen zu sein, als es wirklich waren. Es bringt aber nichts, mit dem Finger auf die Erzähler zu zeigen. Ihre Geschichten zeigen ja nur, dass sie gerne dabei gewesen wären. Mehr Sorgen würde ich mir machen, wenn es umgekehrt wäre, sprich: wenn jene Hundertschaft, die damals wirklich dabei war, dies leugnen würde. So gibt es eine Heerschaar von Menschen, die ihre eigenen kleinen Legenden erzählen. Summiert man diese entsteht eine Große, nämlich die vom schlafenden Riesen, einem LASK der die Massen bewegt und das zweitgrößte Fanpotential Österreichs hat und damit – früher oder später – auch wieder das Gugl-Oval füllen wird.

*= Ja, ich bin sehr selten auf der Gugl. Die Relegationspartie gegen Parndorf, ein Jahr zuvor gegen Liefering und das Heimspiel am 20. April 2008 gegen Sturm Graz waren meine letzten drei Heimspiele bei denen ich vor Ort war. Jene die mich kennen, wissen über die Gründe bescheid. Sehe keinen Bedarf mich hier dafür zu rechtfertigen. Das folgt vielleicht ein andermal ;-)

 

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