Ein Aufruf zu mehr Sachlichkeit

Das Internet ist toll, es dient als Kommunikationsmittel, ermöglicht schnellen Gedankenaustausch, dient als Informationsquelle und erweitert den eigenen Horizont. Jedoch hat die Sache einen Haken, oftmals werden Emotionen falsch verpackt und/oder falsch interpretiert.

Es passieren verbale Entgleisungen und Respektlosigkeiten die vom Verfasser so oft nicht wahrgenommen werden, weil man das Ganze in Gedanken ja doch eh in einem Packerl Sarkasmus verpackt hat.

Was das mit dem LASK zu tun hat? Ganz einfach, viele Kommentare zum Thema Stadion sind entbehrlich! Sei es in diversen Internetforen oder in den sozialen Medien.

Leider ist es nun einmal so, dass auch in Sachen Stadion-Neubau vorwiegend in den „Farben“ schwarz und weiß Gedacht wird. Wahrlich wunderschöne „Farben“, die jedoch nicht zu einer verbesserten Gesprächskultur und sachlichem Meinungsaustausch beitragen.

Ich richte diesen Appell deswegen vor Allem an jene LASK Fans, die vehement versuchen den Stadion-Neubau mit aller Kraft zu verteidigen und dabei oft auf eine objektive Argumentation vergessen. Persönliche Angriffe, Diffamierungen und Polemik haben in dieser Diskussion Nichts verloren, am Ende führt ein solches Verhalten nur dazu, dass die Stadion-Gegner noch überzeugter ans Werk gehen, sich weiterhin ihrer Unwahrheiten bedienen und diese Angriffsfläche der schwachen Argumentation nutzen um gestärkt in ihrer Argumentation zu sein.

Ich gebe es zu, es ist nicht immer leicht ruhig und besonnen zu bleiben wenn Falschinformationen als Fakten verkauft werden, es ist nicht immer leicht wenn sich die „Gegenseite“ einer politischen Rhetorik bedient, die man zur Genüge kennt.

Aber glaubt mir eines, oftmals hilft es den Wind aus den Segeln zu nehmen. Eine weniger aggressive Diskussionskultur wird auch dem LASK hilfreich sein.

Deswegen meine Bitte an euch: Argumentiert mit Fakten und bietet hier keine weitere Angriffsfläche.

Die Fakten die wären:

- Der LASK hat etliche Standorte durch ein unabhängiges Unternehmen prüfen lassen. Dabei wurde der Standort Pichling als idealer Standort auserkoren.
- Fakt ist, es wurde und wird von Seiten der Stadion-Gegner kein alternativer Standort aufgezeigt der realistisch und machbar wäre.
- Der genaue Standort des Stadions ist noch nicht bekannt, deswegen darf man nicht müde werden zu betonen, dass die in den Medien und Anfangs vom LASK verbreitete Grafik lediglich ein Rendering ohne Aussagekraft ist. Der LASK betonte aber mehrmals das Stadion vom See wegrücken zu wollen.
- Die Umweltverträglichkeitsprüfung wird als objektives Instrument dafür eingesetzt werden um zu prüfen ob der Standort alle Voraussetzungen für ein neues Stadion erfüllt.
- Der LASK hält sämtliche rechtliche Vorgaben bei seinem Bauvorhaben ein.
- Es ist auch das gute Recht der Stadion-Gegner eine Volksbefragung zu initiieren, aus diesem Grund braucht dafür niemand angefeindet werden. Im Gegenteil, zeigen wir auf diesem Weg, dass die Mehrheit dieses Stadion wünscht.

Abschließend sei nochmals das Motto „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ in Erinnerung gerufen.

Lasst uns gemeinsam den Traum vom neuen Stadion verwirklichen, motiviert eure Freunde, Verwandten und Bekannten schon jetzt die Volksbefragung gegen den Stadionbau abzulehnen und helft dem LASK so beim Schreiben eines weiteren Kapitels der langen Vereinshistorie.

#gemeinsamsindwirlask

Wenn Menschenrechte keine Rolle spielen und es ab morgen schon wieder Schnee von gestern ist…

Sonntag. 16.12.2018. Austria Wien – Rapid Wien. 1. Wiener Derby im neuen Franz-Horr-Stadion. Ein Tag im Zeichen der neuen politischen Umgangsweise mit organisierten, kritischen, autonomen Gruppen des Landes.
Ein Solidaritätsbeitrag aus Linz.
 
Wie üblich bei einem Stadtderby, sammelten sich die Anhänger des SK Rapid Wien im Vorfeld, um dann mittels U-Bahn und die letzten paar Meter per Fußmarsch Richtung Austria-Stadion zu bewältigen.
Gesagt, vorerst getan.
 
Welche Szenen sich beim Fußmarsch in der Folge abspielen sollten, ist in der Historie des österreichischen Fußballs einzigartig und sucht seinesgleichen.
Die Geißelung des 16. Dezembers 2018. Tatort: Wien.
 
Entgegen der ursprünglichen Aussagen der Rechtshilfe Rapid, dass die Tangente A 23, bereits vor Passieren des Marsches gesperrt gewesen sein soll und somit keine Autos mehr auf der Autobahn unterwegs gewesen sind, revidierte die Landespolizeidirektion Wien in einem tags darauf veröffentlichten Video, auf dem zu sehen ist, dass einige Schneebälle auf Autos geworfen wurden.
 
Die Rechtshilfe Rapid entschuldigte sich einen Tag nach dem Derby mittels Facebook-Post für diese Falschaussage, die darauf zurückzuführen ist, dass Aktivisten der Rechtshilfe eine vermeintlich leere Autobahn vorfanden und dies sogleich auf Twitter tickerten, jedoch die Südosttangente für sie nicht vollends ersichtlich war.
Mit einem Polizeihubschrauber ist die Beobachtung der gesamten Lage verständlicherweise besser möglich.
 
Auf Grund des Tatbestands der Gemeingefährdung gem. §177 (1) StGB sah sich die Exekutive dazu veranlasst, 1338 Personen einzukesseln und daraufhin Identitätskontrollen durchzuführen, die bis zu 7 Stunden andauern sollten.
 
Bei Temperaturen unter 0°C. Ohne Toiletten. Ohne Essen. Ohne Trinken.
Frauen, Kinder, Alte, Junge, Diabetiker,…
 
Die Identitätskontrollen wurden durchgeführt, um diejenigen Personen zu identifizieren, die laut Polizei Pyrotechnik, Flaschen, Dosen und Schneebälle (auf den Videos der LPD Wien ist lediglich das Werfen einiger Schneebälle erkennbar) auf die Autobahn geworfen haben.
 
Eines vorweg: das Werfen von Schneebällen auf die befahrene Autobahn ist saudumm und obendrein lebensgefährlich.
Die Täter gehören bestraft.
 
Unerklärlich ist für mich als Außenstehender, warum die Staatsgewalt eine gemeingefährliche Situation (das Werfen von Schneebällen auf die Autobahn) genau an demselben Ort, wo die Schneebälle geworfen wurden, mittels Identitätskontrollen aufklären möchte, indem sie die Autobahn nach 10 Minuten wieder freigibt.
Die akute Gefahr von Schneeballwürfen (die danach nicht mehr folgten) besteht demnach weiterhin.
 
Als nächster Punkt, der sich mir aufdrängt, sind die Identitätskontrollen per se.
Wenn Schneebälle auf die Autobahn geworfen werden, welchen Aufklärungssinn verfolgen dann Identitätskontrollen?
Hat der Übeltäter den Schneeball etwa noch in der Hand, wenn er zu den Beamten schreitet und sich durchsuchen lässt?
 
Des Weiteren wirft sich die Frage auf, warum man 1338 (!) Menschen oberhalb einer befahrenen, eisigen Autobahn (die schmalsten Stellen sind lt. Gedächtnisprotokollen ca. 5m breit) stundenlang festhält, wobei die Menschen ein ca. 1,10m hoher Zaun vom Hinunterfallen in ca. 10m Tiefe auf die meistbefahrene Autobahn Österreichs trennt.
 
Man stelle sich mal vor, jemand bekommt Platzangst, fällt durch die winterlichen Verhältnisse in die Tiefe…oder weiß Gott nicht was!
 
Rückblende: Duisburg, Love Parade.
 
Ich sehe jetzt schon die bestürzten österreichischen Politiker, Bürgermeister und Profilierungssüchtigen vor meinem inneren Auge, die sich nach eventueller Tragödie alle fragen: ,,Wie konnte sowas Schreckliches nur passieren?“ und den Angehörigen ihr tiefstes Mitgefühl aussprechen. Den schwarzen Peter möchte keiner haben.
 
Angaben ohne Gewähr:
 
Gestern las ich ein Gedächtnisprotokoll eines Rapidlers, der sinngemäß schrieb, dass sich einer von der Brücke stürzen wollte, zum Glück aber zurückgehalten wurde.
Ein anderer schrieb: ,, Wennst einem Diabetiker mit mehreren Bandscheibenvorfällen über eine Polizeiabsperrung heben musst und daneben Polizisten zuschauen und lachen. Heute wurden Menschenrechte verletzt.“
 
Menschenrechte?
 
Ach ja, die gibt’s ja auch noch.
 
Ein Grundrechtseingriff kann nur erfolgen, wenn der Eingriff ein Ziel verfolgt, das im öffentlichen Interesse (z.B.: Gemeingefährdung) steht und verhältnismäßig ist.
 
Es muss ein geeignetes, notwendiges und adäquates Mittel eingesetzt werden.
Die Schwere des Grundrechtseingriffs (z.B.: Recht auf persönliche Freiheit) ist mit der Schwere des öffentlichen Ziels abzuwägen.
 
Bei 1338 Identitätsfeststellungen kam es zu einer Anzeige wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und einer verwaltungsrechtlichen Festnahme.
Das entspricht einer Quote von 99,15% Unschuldiger, die festgehalten wurden.
 
Laut Polizei wurden 3 Verletzte gemeldet, die von der Rettung abtransportiert werden mussten.
Es wurden dem Sachverhalt zufolge mehr Menschen verletzt als angezeigt.
 
Die Verhältnismäßigkeit ist hierbei also schwerstens zu hinterfragen.
Ich hoffe der Verfassungsgerichtshof sieht das genauso.
 
Von mehreren Stellen wird gemutmaßt, dass das Einkesseln der Rapid-Fans von langer Hand geplant und akribisch vorbereitet wurde.
Ich teile diese Vermutung.
 
Das es gerade die Rapid-Fans „erwischt“ ist kein Zufall.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Fußballfans einen denkbar schlechten Ruf genießen, Rapid-Fans erst recht.
 
Mit der Aktion am Sonntag wollte man testen, wie weit man gehen kann.
Wie groß ist der Aufschrei in der Bevölkerung?
Regt sich Widerstand in der Bevölkerung oder ,,is es eh wurscht, weil’s nur d’Rapidler dawischt hod?“
 
Langsam Terrain gewinnen, um es auszuweiten und für seine Zwecke (unliebsame Oppositionsdemonstranten, Fußballfans, Flüchtlinge,…) zu nutzen.
Polizeistaat olé!
 
Letzten Donnerstag im Europa-League-Spiel gegen die Glasgow Rangers gab es anlässlich des Datums 13.12. in Anlehnung an die Buchstabenkombination im Alphabet (“ACAB“ = “All Cops are Bastards“) vom Block West eine großflächige Choreographie, Wochen zuvor auch bereits beim Auswärtsspiel in Salzburg.
 
Ich denke, dass dies nicht der hauptsächliche, aber kein unwesentlicher Grund für die Geschehnisse des Derbytags ist.
Die Reaktion der Polizei steht jedoch in keinem Verhältnis zur Choreo der Rapid-Fans!
 
Es sei angemerkt, dass “ACAB“ in Deutschland beispielsweise unter die Meinungsfreiheit fällt, was das Bundesverfassungsgericht 2016 in einem Beschluss bestätigte.
 
Die Krux an der Sache ist, dass beispielsweise Fußballfans keine Lobby hinter sich haben.
Wer soll einem helfen?
 
Die Polizei, die einen lieber heute als morgen gern im Häfn hätte?
Die Justiz, die bei Fußballdelikten besonders gern drauffährt?
Das Innenministerium, die die Polizei lenkt und leitet?
 
Die Glaubwürdigkeit eines Fußballfans geht Richtung Gefrierpunkt.
Es ist Zeit, Aufklärungsarbeit zu leisten.
Redet mit Leuten darüber, eurem Umfeld, klärt sie auf.
Erzählt ihnen davon. Das wäre der erste Dominostein, der umfallen müsste.
 
Ein Aspekt, der mir als LASK-Fan auch noch sauer aufstößt, ist Siegmund Gruber’s Aussage in der Sky-Sportsendung „Talk und Tore“: ,,Polizei-Bashing ist auch nicht das Richtige.“
Und Fan-Bashing sehr wohl?
 
Man sollte immer differenzieren. Es gibt überall schwarze Schafe.
Bei den Fußballfans. Bei der Polizei. Überall.
Das sollte auch der LASK-Präsident vor zukünftigen Aussagen bedenken.
 
Ähnliche Aussagen folgten von ihm auch nach dem ersten „Heim“derby gegen Blau Weiß in Pasching, nachdem Blau-Weiß-Fans mit Pfefferspray in dem alten Awaysektor eingesprüht wurden – die Luft konnte in der Plexiglas-Hütte nicht entweichen.
 
Dem Präsidenten war’s wurscht.
 
Anders Rapid-Präsident Krammer, der am Abend bis glaublich 21.30h den eingekesselten Rapid-Fans zur Seite stand. Das ist gelebte Solidarität.
 
Ich hoffe, dass die Opposition im Nationalrat (SPÖ, Neos, JETZT) von ihrem Untersuchungsrecht (46 Abgeordnete wären nötig) Gebrauch macht und einen Untersuchungsausschuss durchbringt, um diesen Derbyvorfall genauestens zu prüfen.
 
Als vorletzter Punkt sei noch die Schadenfreude einiger Leute erwähnt:
Ich habe von Rapid-Anhängern gelesen, wie vereinzelte Austria-Fans nach Spielende vorbeigezogen sind und sich auch noch lustig über die prekäre Situation gemacht und schadenfroh gezeigt haben.
 
Auch habe ich schon diverse Kommentare von LASK-Fans in öffentlichen Netzwerken vernommen, die mich sprachlos und wütend zugleich machen.
 
Euch sei gesagt: Schon bei unserem nächsten Wien-Aufenthalt könnte es uns ähnlich ergehen. Wer zuletzt lacht, lacht am…?
 
Abschließend noch kurz zum letzten Aspekt – von wem geht das Ganze eigentlich aus?
 
Oberste Sicherheitsbehörde der Republik Österreich ist der Bundesminister für Inneres.
Ihm sind die Landespolizeidirektionen, ihnen wiederum die Bezirksverwaltungsbehörden als Sicherheitsbehörden nachgeordnet.
 
Das Amt des Innenministers hat derzeit ein gewisser Herbert Kickl von der FPÖ inne.
Welche Machtbefugnisse er in dieser Position hat, wird der ein oder andere, der das politische Geschehen verfolgt, bereits mitbekommen haben.
 
Was viele nicht wissen:
 
Vor ein paar Monaten hat im Spiel Rapid Wien : Wolfsberger AC ein Rapid-Fan einen Doppelhalter mit kritischem Inhalt (Mahrer und Kickl wurden im Fadenkreuz abgelichtet) hochgehalten.
Noch am selben Tag stand das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) vor seiner Haustür und es gab eine Hausdurchsuchung.
Möchte man so mit kritischen Inhalten zukünftig umgehen?
 
Das Wiener Derby hat einen Vorgeschmack gegeben, worauf wir Fußballfans uns in Zukunft einstellen können.
Jeder darf selbst entscheiden, wo er sein X bei der nächsten Nationalratswahl setzt.
 
Ich weiß spätestens jetzt, wo ich es definitiv nicht setzen werde – bei der Fußball Partei Österreichs, kurz FPÖ.
 
Getrennt in den Farben. Vereint in der Sache.
 
von einem besorgten LASK Fan
 

Wenn Vereinsfarbe keine Rolle spielt – ein Solidaritätsbeitrag aus Linz!

Als Fußballfan ist man es gewöhnt von Seiten der Exekutive nicht immer mit Samthandschuhen angefasst zu werden. Teilweise verständlich und solange die Vorgehensweise im gesetzlichen Rahmen passiert, sollte das ja eigentlich kein Problem darstellen. Eigentlich...

Was sich allerdings gestern in Wien – Favoriten abgespielt hat, grenzt an Freiheitsberaubung.

Die Wiener Polizei kesselt 1338 Personen ein, stellt 1338 Menschen unter Generalverdacht, hält diese bis zu 7h fest um schlussendlich zwei Anzeigen auszusprechen. Dem gegenüber stehen, laut Bericht der LPD Wien, drei Abtransporte von Rapid Fans auf Grund von körperlichen Problemen, die nachweislich durch die lange Wartezeit ohne Sitzmöglichkeit, Getränke, Speisen und Toilettengänge entstanden sind.

Nun ja, zur Vorgeschichte: der SK Rapid Wien hat ein Fanproblem mit einem kleinen Teil der zugegeben großen aktiven Fanszene. Ohne Zweifel.

Ereignisse wie der Platzsturm beim Heim-Derby, die ACAB Choreo beim Europa League Spiel gegen die Rangers oder Knallkörper beim gestrigen Fanmarsch, sind nicht zu entschuldigen.

Dennoch ist es Aufgabe der Polizei Situationen stets differenziert und objektiv zu beurteilen. Diese Betrachtungsweise fehlt bei der gestrigen Amtshandlung. Glaubt man der LPD Wien waren Wurfgeschosse (pyrotechnische Gegenstände, Schneebälle und Getränkedosen), welche auf der A23 landeten, der Auslöser für diese Herangehensweise. Sollte das so geschehen sein, ist dies kein Kavaliersdelikt und aufs Schärfste zu verurteilen.

Nun frage ich mich aber: Hat die Polizei keine andere Möglichkeit die wenigen Täter auszuforschen als eine solche Kollektivmaßnahme?

Scheinbar nicht, das wiederum wirft in meinen Augen die Frage auf ob die Einsatzleitung des gestrigen Einsatzes wirklich die Kompetenz hat einen solchen Einsatz zu leiten.

"Hätti-wari-Geschichten" sind im Normalfall nicht mein Stil. Dennoch möge man sich einmal vorstellen, was hätte passieren können, wären die TeilnehmerInnen des Fanmarsches gestern nicht so ruhig und besonnen geblieben.

Die Entwicklungen im Innenministerium sind besorgniserregend. Hausbesuche bei Personen die den Innenminister „anpatzen", Fußballfans werden kollektiv als Straftäter gesehen, Personen mit dunkler Hautfarbe sowieso unter Generalverdacht gestellt.

Es darf nicht sein, dass rechtsstaatliche Prinzipien mit Füßen getreten werden. Es darf nicht sein, dass man kollektiv Leute (vor)verurteilt. Es darf nicht sein, dass man unbescholtene Leute in gesundheitsgefährdende Situationen bringt. Es darf nicht sein, dass man sich in Österreich darüber wundern muss wozu der Innenminister im Stande ist.

Und zu guter Letzt darf es umgekehrt auch nicht sein, dass man kollektiv Polizisten an den Pranger stellt. ACAB zu schreien ist dämlich, aber noch lange nicht gefährlich. Zumindest bis zum gestrigen Tag.

Politische Profilierung – wenn (fast) jedes Mittel Recht ist

Die Diskussion um den möglichen Stadionstandort Pichling treibt in den letzten Tagen die Wogen im oberösterreichischen Blätterwald hoch. Wie einst Don Quichote kämpft ein Linzer Gemeinderat vehement gegen das Projekt und hat nun erreicht, dass verschiedene Fraktion am morgigen Donnerstag eine Volksbefragung der Linzer Bürger erreichen werden. Die Trump-eske Inszenierung mit gezielter Halbwahrheit verdient dennoch eine nähere Betrachtungsweise.

Abschied vom Jahrhundertspieler: In memoriam Helmut Köglberger

InMemoriam HeliKöglbergerAm Montag erreichte uns die traurige Nachricht: Helmut „Heli“ Köglberger, der Jahrhundertspieler des LASK, ist tot. Er stirbt ausgerechnet an dem Tag, an dem die Vereine, für die er als Spieler Tore geschossen hat, gegeneinander spielten: der LASK gegen Austria Wien. Betroffen, traurig und dankbar erinnern wir uns an ihn als herausragende Identifikationsfigur des oberösterreichischen Fußballs und des LASK.

Papa, komm her! Ich muss Dir was erzählen!

Unzählige Stunden und Nächte sind wir schon im Wohnzimmer gesessen und haben uns gegenseitig dafür bemitleidet, was für ein schweres Los wir als LASK-Fans doch gezogen haben. So manche Packung Zigaretten und so manche Kiste Bier mussten dabei dran glauben. Es ist auch immer wieder vorgekommen, dass plötzlich kein Bier mehr im Kühlschrank war und wir notgedrungen warmes Bier trinken mussten, nur um das dadurch entstehende Unwohlsein später mit einem Fernet auszugleichen.

Und weil wir eben nur selten etwas zu feiern hatten, mussten wir uns an frühere Erfolge erinnern. Aber das ist eigentlich gelogen – Du hast dich daran erinnert und mir davon erzählt und eigentlich waren es eh nur zwei Geschichten: Jene vom 3. Juli 1965, als Du mit dabei warst auf der Hohen Warte, wo sich der LASK den ersten und bisher einzigen Meistertitel seiner Vereinsgeschichte holte und jene vom Oktober 1985, als unsere Schwarz-Weißen Inter Mailand mit 1:0 besiegten.

Du hast diese Geschichten mit so viel Leidenschaft und Freude erzählt, dass ich sie anfangs gerne gehört habe. Später aber, als ich jeden einzelnen Satz schon mitsprechen konnte, entwickelte ich eine Aversion gegen diese Geschichten. Das habe ich ja nie zugegeben, weil diese Abneigung nur auf zwei Gründen beruht: Ich war neidisch, dass ich so etwas nicht miterleben durfte und mit jedem weiteren Jahr das verstrich wurde auch der Glaube daran kleiner, dass solche Momente wiederkehren würden.

Aber jetzt drehen wir den Spieß mal um, Papa – jetzt erzähle ich Dir eine Geschichte, die Du mir nicht glauben wirst. Ich war in dieser Saison schon zwei Mal auf der Gugl und obwohl es nun schon länger nicht mehr „unser“ Stadion ist, fühlte es sich doch wie heimkommen an. Beim zweiten Mal war es sogar besser als jemals zuvor, denn es war etwas Entscheidendes anders als bei den vielen Besuchen davor. Es waren keine 500, 2.000 oder 5.000 Menschen dort, nein das Stadion war AUSVERKAUFT.

AUSVERKAUFT, Papa – das war das letzte Mal, wann genau der Fall? Genau – gegen Inter Mailand 1985. Ja, Papa Du hast ja Recht – damals waren es mehr Leute und früher gegen den Wiener Sportklub sind die Leute hinterm Stadion auf die Bäume geklettert um das Spiel zu sehen. Aber da kann ja niemand was dafür, dass die Stadt Linz keinen Wert auf ein modernes Stadion mit größerer Kapazität legt. Deshalb kommt ja … Ach, lenk mich nicht ab – ich will Dir ja was ganz Anderes erzählen:

Es war wieder einer dieser magischen Nächte – eine Europacupnacht in Linz, bei dem ein ganz großer Gegner dem LASK gegenüberstand. Der türkische Spitzenclub: Besiktas Istanbul. Es lag ein ganz besonderer Duft in der Luft am Froschberg – es roch nach Sensation!

Ach komm, hör schon auf, Papa – natürlich ist Besiktas eine Spitzenmannschaft. Die war letztes Jahr im Champions-League-Achtelfinale, hat in den letzten drei Jahren 29 Europacupspiele bestritten und davon nur fünfmal verloren. In der Mannschaft spielen ehemalige Champions-League-Sieger, amtierende Europameister und Vizeweltmeister. Das ist inzwischen eine ganz große Nummer.

Weißt Du, was die Leute zu mir gesagt haben? „Ihr habt keine Chance gegen die. – Das ist nicht eure Kragenweite. – Da steht euch eine Abreibung ins Haus.“ Ich habe darauf nur geantwortet, dass es schon schön sei gegen so eine Mannschaft in einem Pflichtspiel antreten zu dürfen. Nach all dem was wir durchgemacht haben, könne es keine Abreibung geben, die uns umhaut. Wir würden es schaffen, diesen großen Abend zu genießen.

Natürlich habe ich insgeheim darauf gehofft, dass es uns gelingen wird die Türken aus dem Bewerb zu hauen. Ich habe mich das aber nur aussprechen getraut, wenn ich schon ein oder zwei Bierchen getrunken hatte. Die letzten Jahre haben uns geprägt, wir sind bescheidener geworden. Eine Tugend, die uns übrigens gut tut. Die Zeit der Luftschlösser, die unsere Präsidenten gebaut haben und in die wir nur zu gerne eingezogen sind, die sind vorbei. Es wird beim LASK weniger geredet, dafür mehr gearbeitet und das trägt Früchte.

Keine Ahnung, wie das beim Trauner war, Papa – dafür bin ich echt zu jung. Aber Du hast immer gesagt, dass war der letzte Vernünftige am Ruder des LASK. Wenn man diesen Vergleich zieht – ja, dann gibt es endlich legitime Nachfolger für ihn.

Aber zurück zum Thema: Wie gesagt, es roch nach Sensation und ich war von Stunde zu Stunde mehr überzeugt, dass wir ein Wunder erleben werden und in das Play-Off einziehen würden. Ich genoss die Atmosphäre, trank mit einem Bekannten noch ein gemütliches Bier und begab mich auf meinen Platz in Sektor 7. Das war einmal unser Revier in diesem Stadion, aber gestern war das leider anders. Da waren mehrheitlich Fans der Türken – nicht nur von Besiktas, sondern auch welche in Fenerbahce und Galatassaray-Trikots. Versteh ich auch nicht, Papa – war aber so. Ich habe mich mit ihnen auch unterhalten – es waren ja fast ausschließlich Austrotürken – und sie alle sagten mit Ergebnisse zwischen 5:0 und 10:0 für Besiktas voraus. Sie waren sich sicher, dass wir kein würdiger Gegner seien. Ihre Freude endlich erstmals ein Spiel ihres Lieblingsvereins sehen zu dürfen, hat anscheinend ihre Sinne getrübt – denn den besagten Geruch der Sensation schienen sie nicht wahrzunehmen.

Kurz vor Spielbeginn wanderte ich zwischen den Reihen etwas weiter Richtung Sektor 6. Ich wollte dann doch eher unter Gleichgesinnten stehen. Ja, Papa, STEHEN – es war wie früher, die Leute sind tatsächlich alle gestanden. Nein, es war sogar besser als früher, denn sie haben auch die Hühnerstangen ignoriert und sind wirklich gestanden!

Das Spiel an sich war einfach traumhaft. Ich sah elf Männer auf dem Platz, die alle bereit waren über sich hinauszuwachsen und alles für unseren LASK zu geben. Sie zwangen die Besiktas-Stars zu Fehlern, ließen diese nicht ins Spiel kommen und zwangen sie sogar dazu uns immer wieder mit Fouls zu stoppen. Auf den Tribünen kochte es von Beginn weg. Die Türken waren zwar laut, aber es war keineswegs ein Auswärtsspiel von uns. Da waren deutlich mehr die unseren, also den richtigen Schwarz-Weißen die Daumen drückten und sie auch lautstark anfeuerten. So etwas hast Du noch nicht gesehen – OK, OK ich nehme es schon zurück – habe ich noch nie gesehen beim LASK.

Nach 25 Minuten wurden die Türken deutlich ruhiger, da sie merkten, es wird nichts mit dem geplanten Kantersieg. Ein Weiterkommen hier in Linz setzt harte Arbeit voraus. Ich freute mich, als es nach 30 Minuten noch immer 0:0 stand und sinnierte schon darüber, dass auch ein 0:0 bereits ein Achtungserfolg wäre, obwohl ich innerlich noch immer spürte, dass an diesem Tag mehr möglich sein würde. Das spürten auch andere an diesem Tag, denn er Weg zur Kantine war frei – es stellte sich kaum jemand an – noch ganz anders als drei Wochen zuvor gegen Lilleström. Alle 14.000 waren auf das Spiel fokussiert.

Wir wurden auch belohnt, denn in der 41. Minute kam Joao Victor im Strafraum an den Ball und schob den Ball mit dem linken Fuß ins lange Eck. Der LASK führte plötzlich mit 1:0. Da löste sich etwas in mir, dass sich über Jahre angesammelt hatte. Ich konnte meine Bewegungen nicht mehr kontrollieren, war völlig außer Rand und Band und musste minutenlang nur hüpfen. War das wirklich wahr, oder würde ich träumen. Falls Zweiteres zutreffen sollte, dann würde ich niemals mehr aufwachen und einfach weiterträumen wollen. Dass es wirklich wahr war, realisierte ich nur kurz darauf, als Ranftl die Hundertprozentige Chance auf das 2:0 ausließ. Dass die gut 4.000 türkischen Fans auch im Stadion waren, konnte man zu diesem Zeitpunkt kaum wahrnehmen.

Das sollte sich zu Beginn der zweiten Halbzeit aber ändern. Es gab dann doch ein paar Organisierte, die sich in der ersten Hälfte in Sektor 3 – also hinter dem Tor breitgemacht haben. Die wurden in der Pause von der Polizei in den Sektor 8 beordert. Das ist eigentlich der Auswärtssektor, den es an diesem Abend aber nicht gab und dann doch irgendwie zu einem solchen wurde. Wie auch immer – diese Personen schafften es, die anderen Besiktas-Fans noch einmal mitzureißen und die Stimmung anzukurbeln. Die LASK-Fans waren logischerweise in keiner Phase leiser geworden und so herrschte plötzlich ein richtiger, stimmungsvoller Europacupfight.

Dessen Höhepunkt war aber noch nicht erreicht, denn so 25 Minuten vor Schluss passierte es tatsächlich. Dominik Frieser brachte den Ball ein weiteres Mal im Netz unter und damit führte der LASK plötzlich mit 2:0. Zu diesem Zeitpunkt stand der LASK mit einem Bein im Play-Off und für die Star-Elf von Besiktas drohte die Europacupsaison bereits früh zu enden. Das Gefühl aus der ersten Hälfte wiederholte sich. Wieder konnte ich minutenlang nur springen und meine Gefühle nicht wirklich kontrollieren. Mir war zwar bewusst, dass der Weg noch ein weit sein würde, aber das Wunder war zum Greifen nah. Eine wirkliche Sternstunde in der Vereinsgeschichte des LASK – so schien es zumindest.

Die ersten Türken hatten bereits das Stadion verlassen, die restlichen noch anwesenden schon den Glauben an ihr Team verloren, als ich plötzlich zu zweifeln begann und den Satz „Es wäre so typisch LASK, wenn wir jetzt noch ein Tor bekommen würden“ aussprach. Keine 30 Sekunden später hatte Negredo den Ball ins Netz befördert. 90. Minute – erster Schuss auf das Tor des LASK und dennoch waren wir wieder die Idioten.

Leere, nichts als Leere verspürte ich nach dem Schlusspfiff und doch sagte mir irgendwas, dass ich jetzt nicht einfach gehen darf. Ein Gefühl, das auch viele andere hatten. Denn die meisten blieben im Stadion um die Mannschaft zu feiern, um sie aufzurichten, um ihnen zu zeigen, dass wir stolz auf sie sind.

Ja, Papa, es hat sich in diesem Moment wie eine Niederlage angefühlt, auch wenn wir mit 2:1 gewonnen haben. Das mag 1985 anders gewesen sein, weil es ja das Hinspiel war. Aber auch damals habt ihr einen Sieg gefeiert, der mit dem Rückspiel letztendlich in eine Niederlage mündete. Ich habe endlich meine Geschichte, die ich vom LASK erzählen kann. Eine heroische Nacht, in der ich dabei war. Ein (Meister)Titel fehlt zwar noch, aber wir wollen ja nicht unbescheiden sein.

Du hast Deine Geschichten, ich habe die Meinige. Was uns fehlt ist eine gemeinsame Geschichte. Die besteht nämlich hauptsächlich aus Zweitligajahren. Das Letzte, dass Du vom LASK mitbekommen hast war der Absturz in die Bedeutungslosigkeit – der Absturz in die Regionalliga.

So sitze ich nun alleine da, mitten in der Nacht wenige Stunden nach dem historischen Spiel und in meinem Kopf wechseln sich Frust und Stolz ab. Rauchen tu ich nicht mehr, das Bier ist kalt – was gut ist, denn Fernet hätte ich keinen hier. Wir haben schon ein schweres Los gezogen, indem wir LASK-Fans geworden sind.

Aber weißt Du, genau deswegen habe ich beschlossen diesen Moment dennoch zu genießen. Durch dieses Los haben wir gelernt, dass der Weg nach oben ein weiter ist, man aber schneller als man denkt, wieder in den Niederungen landet. Mein Gefühl sagt mir zwar, dass wir jetzt an dem Punkt sind, an dem wir länger oben bleiben – aber Garantie dafür gibt es keine.

Also: Schwarz und Weiß ein Leben lang! – Auf den LASK! – Prost!

 

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